Philosophie

  • Philosophie,  Sprache

    Fechten, aber mit Worten – eristische Dialektik nach Arthur Schopenhauer

    Dem rhetorischen Säbelrasseln und dem akademischen Disput scheint seit alters her eine gewisse Magie innezuwohnen, die sich nicht auf systematisch angeleitete Wahrheitssuche im wissenschaftlichen Kontext restringieren lässt. Wenngleich gerade letztere in den meisten geisteswissenschaftlichen Studien eine ebenso erheiternde wie unerlässliche Praxis darstellt, so kann es gleichwohl niemandem zum Schaden gereichen, wenn er sich ergänzend auch mit der Kunst befasst, die einzig und allein der Überzeugung des Gegenübers und dem Bestehen von Meinungen im offenen Gespräch zugedacht ist. Eine solche Kunst, recht zu behalten, findet sich bei dem deutschen Philosophen Arthur Schopenhauer auch als eristische Dialektik – und zwar in der vor diesem Hintergrund verfassten und seinem Nachlass entstammenden Schrift, die…

  • Allgemein,  Kultur,  Literatur,  Philosophie,  Sprache

    Die geheimnisvolle Sprache der Fruchtbarkeitssymbole

    Der kritische Geist zeichnet den Menschen in seiner Einzigartigkeit aus. Durch die Auseinandersetzung mit existenziellen Fragen zum Leben und Tod, sowie das Hinterfragen der Bedeutung der ihn umgebenen Welt, bildeten sich im Laufe der Jahrtausende Glaubenssysteme, welche versuchen die Antworten zu diesen Fragen zu liefern. Innerhalb der Glaubenssysteme hat sich eine Sprache von Zeichen und Symbolen herausgebildet, welche bis heute besteht.

  • Allgemein,  Kultur,  Philosophie

    Angst, Angst und nochmals Angst

    „Man kann so alt sein wie eine Kuh und lernt immer noch dazu!“ Was aber, wenn sich das Gelernte gar nicht in ein geregeltes Einkommen verwandeln will? Was, wenn selbst mit Ende zwanzig das Gefühl ausbleibt, endlich erwachsen geworden zu sein? Und was, wenn der Blick in die Familie suggeriert, mit allem viel zu spät dran zu sein? In all diesen Momenten spürt man nur eines: Angst. Ein Beitrag von Tatjana Kohler.

  • Allgemein,  Philosophie

    Ging Kant nicht weit genug? – Otfried Höffes Typologie zwischenstaatlicher Relationen

    Ganz gleich, wie man in der Philosophie des Rechts und der Politik einen Staat konzipiert – er mag intern wesentlich beschaffen sein, wie er wolle –, so findet man sich in letzter Instanz kaum von der Obliegenheit entbunden, auch Vorschläge für die Zusammenarbeit zwischen mehreren Staaten zu unterbreiten und einschlägige Konzepte zu problematisieren. Operiert man nämlich auf der Basis einer plural organisierten internationalen Gemeinschaft, so tut man gut daran und kann schwerlich umhin, einen Plan für den Austritt aus dem – mit Kant gesprochen – Naturzustand zu haben:[1] Dieser ist etwa erst dann vollständig überwunden, wenn nicht nur die einen Staat bildenden Individuen, sondern ebenso die aus diesen sich speisenden…

  • Allgemein,  Philosophie

    Über die moralische Wertung der Begriffe „alt“ und „modern“

    Es ist ein durch und durch amerikanischer Ansatz, neue Dinge als „gut“, alte Dinge als „schlecht“ wahrzunehmen. Wenn etwas alt ist, schmeißt man es weg und kauft etwas Neues. Das ist eine konsumgetriebene Sichtweise, die mit der zunehmenden Technisierung des Lebens auch bei uns um sich greift. Ein Handy vom vergangenen Jahr hat keine so hohe Auflösung wie das Modell von heute – also muss es ersetzt werden. Warum? Den Zweck, zu dem man ein Handy gekauft hat – um zu telefonieren – können beide erfüllen. Abgesehen vom Auftrag der Werbung, minimale Verbesserungen an ihren Produkten als bahnbrechende Neuerungen zu verkaufen, steckt in vielen Köpfen unserer Zeitgenossen die Annahme, dass…

  • Allgemein,  Kultur,  Philosophie

    Philosophie studieren im 21. Jahrhundert? Drei Vorurteile auf dem Prüfstand

    Würden wir Studierenden auf Feiern, in der Bahn oder als flüchtigen Bekannten die weithin Smalltalk-affine Frage vorlegen, welchem Fach sie nun eigentlich verfallen seien, so gäben die meisten darauf eine ebenso wenig rechtfertigungs- wie in besonderem Maße ausführungsbedürftige Antwort: Physik, Jura, Medizin, Politik, Geschichte, Geographie und so fort. Alles sehr interessant – mitunter lohnt es sich, stolz zu sein, den eigenen Respekt auszusprechen, das Gespräch noch zu vertiefen – so mancher unter uns wäre gar geneigt, bei der einen oder anderen Disziplin seinen imaginären Hut zu ziehen, da ihm selbst ein entsprechender Abschluss aus einer Vielzahl von unerheblichen Gründen versagt bleiben musste.

  • Kultur,  Literatur,  Philosophie,  Sprache

    „Les rêveries du promeneur solitaire“ – Teil I

    Jean-Jaques Rousseau ist zweifellos einer der wesentlichen Autoren der Epoche der Aufklärung. Diese Rolle ist ihm zweifelsohne zuzuerkennen. Dabei suchte Rousseau in seinem Schaffen und Denken oftmals die Opposition zu seinen Zeitgenossen, was ihn als kritisch-reflektierten Gegenpol einer fortschrittsgewandten Gesellschaft charakterisiert. Neben seiner Kritik an dem Selbstverständnis der intellektuellen Elite und der Weiterentwicklung der hobbesschen Vertragstheorie, ist auch sein Einfluss auf die Erziehungspädagogik herauszustellen. Das aber wohl persönlichste Werk stellt Les rêveries du promeneur solitaire dar. Ein Werk, welches schon aufgrund seiner chronologischen Einordnung in die Biografie des Autors besondere Qualität besitzt, denn es handelt sich um sein letztes Werk. Auch die Umstände, in denen es entstand, sind erwähnenswert. Rousseau…

  • Kurzprosa,  Philosophie,  Reisen

    Abschied oder Ankunft? – Teil 4: Immortalitas?

    Nun: »Hier ist die Zeit stehen geblieben – und jeder Versuch, dieser Gewissheit zu entrinnen, muss sich als vergeblich erweisen«, erklärte ich, nachdem die dritte Geschichte zu Ende gegangen war. Wir durchlebten eine Abfolge ephemerer Begebenheiten, denen allesamt eine überzeitliche Wirksamkeit zukam. Diese jedoch erschöpfte sich gerade in ihrer zeitlichen Einschränkung: Gerade weil diese Narrative der Stimme, der Schulnostalgie oder des Nihilismus jeglicher Konstanz und Beständigkeit entsagten, vergingen sie und vergingen zugleich nicht: Letzteres, insofern sie auch nach ihrem materiellen Ende – in die Erinnerung zurückgerufen – von gleicher Lebendigkeit waren und sich nicht mehr umkehren ließen. Was sich einmal zugetragen hatte, zehrte immerdar vom Ganzen, wiewohl nur als noch…

  • Kurzprosa,  Philosophie,  Reisen

    Abschied oder Ankunft? – Teil 3: Im Luftschiff der Nihilisten

    Erneut hob sie zu sprechen an und verlas das dritte Kapitel: »Es ist jedes Mal aufs Neue bemerkenswert, die Wolkendecke zu durchbrechen, findest du nicht?«, entgegnete Anastasia dem Trübsinn ihres Gegenübers, als sie ein Glas sprudelnde Brause an ihre Lippen führte und das Schiff über die Erde samt ihren allzu irdischen Belangen hinwegflog. »Wir sind Nihilisten«, erwiderte Anastasias Gegenüber eindringlich. »Bisweilen müssen wir eine stoische Betrübnis an den Tag legen und uns unserer Emotionen entäußern, zu unbeschwerter Spontaneität gelangen.«